zu geben, weniger deshalb, weil ich das Lesen der Kirchengebete für eine Verletzung meines Gewissens hielte, als viel mehr aus der Klugheit, von vorn herein unseren kirchlichen Standpunkt zu behaupten und nichts zu tun oder zu zugeben, was die Engländer, die so wenig von unserer Kirche wissen, glauben machen könnte, als gehörte ich zu ihr; ferner um allen derartigen Zumuthungen für die Zukunft sogleich zu begegnen, und überhaupt um aller Gleichgültigkeit sowohl auf unserer als der anderen Seite vorzubeugen.
Teichelmann meinte indeß, im Fall der Noth trüge er keine Bedenken, und so hat er am zweiten Sonntage, zumal es der
( 006 ) Gouverneur auch wünschte, sowohl Abends als auch Morgens die Kirchengebete gelesen, worauf alle Mal der Geheimschreiber [Privatsekretär] des Gouverneurs eine Predigt laß. Viele sind indeß unzufrieden mit dieser Art des Gottesdienstes, theils weil sie nicht alle hören und verstehen können, theils weil sie ihn für nicht zu den gegenwärtigen Umständen passend halten. Natürlich sind die so urtheilen
Dissenter
(007), deren wir genug von der buntesten Farbe an Bord haben, als Presbytherianer
(008), Methodisten
(009), Baptisten
(010), Herrnhuther
(011) und so weiter.
Unter den Methodisten wollten mir gleich anfangs einige Männer sans façon [zwanglos] beweisen, daß die Lehre von der Dreieinigkeit ganz falsch sei, daß der Sohn und der heil. Geist geringer seien, als der Vater, und so nur dieser der wahre Gott sei. Eine Hinweisung auf mehrere Stellen im Evangelio Joh. und namentlich auf den letzten Vers im ersten Briefe Johannes befriedigte ihn zwar nicht, aber beschwichtigte ihn doch, nebst meiner Erklärung, daß ich mit jemand, der ein Christ zu sein vorgebe, nicht über einen so ganz unchristlichen Gegenstand disputieren könne; seitdem hat er mich ganz zufrieden gelassen.
Den 4ten Juni 1838.
Wie schon erwähnt worden, kamen wir heute in Plymouth an; seit mehreren Tagen hatten wir kein Land mehr gesehen, um so überrasch[end]er war es, heute, sobald wir aus den Betten kamen, von der grünen steilen Ufern Plymouths begrüßt zu werden. Wegen des ungünstigen Windes hatten wir Schwierigkeit in den Hafen [zu gelangen], nach einem oder einigen mißlungenen Versuchen gelang es indeß. Sobald als der Anker
( 007 ) geworfen war, kamen einige an Bord, Einer von ihnen brachte uns Briefe von [George Fife] Angas
(012), einen für uns, und einen Empfangsbrief an einen Herrn in Adelheide. Nachdem er sich in unserm Briefe entschuldigt, daß er nicht in London von uns Abschied genommen, gibt er uns folgende sechs Andeutungen
1) Vorläufig habe er uns eine Konto in der Bank von Adelheid eröffnet, wegen künftiger Unterstützung wolle er Anweisung von Dresden abwarten, [und uns] Sparsamkeit anempfehlen, überflüssiger Weise.
2) Der Gouverneur, der uns so gütig aufgenommen [habe], würde uns bei unserer Ankunft gewiß gerne mit seinem Rathe beistehen, dasselbe würden [die] Herren McLaren(013) und Howe(014) thun.