Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838
Den 5ten Juli 1838.
Sehr neugierig war ich längst gewesen, fliegende Fische(32) zu sehen, heute wurde diese meine Neugierde vollständig befriedigt, indem wir eine große Menge derselben sahen. Aber weder an Größe noch an Farbe waren sie, wie ich sie mir vorgestellt hatte; sie waren nicht größer als eine Drossel und ganz weiß, ihr Flug war rasch und etwa 50 - 100 Fuß lang. Sobald nämlich ihre Flügel trocken werden, können sie nicht weiter, sondern müssen untertauchen und das macht ihren Flug so kurz.

Den 6ten Juli 1838.
Nachdem wir lange nichts als Himmel und Wasser gesehen [hatten], erblickten wir heute zur angenehmen Abwechselung ein Liverpooler Schiff; durch Zeichen mit den Flaggen wurde zuerst beiderseitig der Name des Schiffes, dann der Auslauf- und Bestimmungsort erkundet, worauf unser Capitain noch hinzufügte, daß wir alle wohl[auf] seien.

Den 7ten Juli 1838. Sonnabend.
Die ganze Woche über war es sehr warm gewesen, da wir in derselben durch den nördlichen Wendekreis(33) gingen und folglich die Sonne im Scheitelpunct hatten; der letzte Tag jedoch überbot alle vorhergehenden an drückender Hitze und Schwüle. Als eine große Wohlthat mußten wir es dann noch ansehen, daß Nachmittag einige starke topische Regenschauer kamen, die das ausgedör[r]te ( 21 ) heiße Vordeck etwas netzten und kühlten und alle erfrischten. In der That kam diese Kühlung zur rechten Zeit, denn unter den Kindern war schon allgemeine Klage über Leibweh und der Doctor sagte, er wäre sehr bange, daß die Rothe Ruhr(34) ausbrechen möchte.

Den 8ten Juli 1838. Sonntag.
Der Gottesdienst wurde heute in derselben Weise, wie wie am vorigen Sonntage gehalten, nämlich des Morgens wurden die Gebete nebst den biblischen Abschnitten gelesen, und des Nachmittags zu diesen noch eine kurze Predigt gefügt, welche ich gewöhnlich lese.

Den 12ten Juli.
holten wir ein nach Calcutta bestimmtes Schiff ein; so unbedeutend die Erwähnung eines solchen Umstandes scheinen mag, war er für uns doch eine wichtige Abwechslung des ewigen Einerlei.

Den 15ten Juli 1838. Sonntag.
Der Gottesdienst wird mehr und mehr vernachlässigt, manche und zwar gerade solche, die sich das Ansehen recht eifriger Christen geben, sagen gerade heraus, daß er blos Form, ja gar ein Gespött sei. Natürlich rührt diese Vernachlässigung und Verachtung des gemeinschaftlichen Gottesdienst daher, daß so viele zu von der [Anglikanischen] Kirche abweichenden Secten gehören, aber gerade daraus geht auch der faule Grund deutlich hervor, welcher auf nichts als Stolz und Selbstsucht

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