Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
Mich dünkt, ich habe Bertha nie liebenswürdiger gesehen, als sie sich heute in ihrem anspruchslosen bescheidenen Januarschmucke ausnahm; ihre blühenden Wangen umgab ein weißes einfaches Häubchen, welches ein großes schwarzes Band unter ihrem Kinn zusammen hielt, und ihren züchtigen Busen verbarg ein ebenfalls schwarzes Tuch, an das sich eine Schürze von gleicher Farbe anschloß. Dieser Ehrfurcht gebietende Schmuck einerseits, und ihre freundliche Mienen andererseits machten einen Eindruck auf mich, der nur nachempfunden, nicht aber beschrieben werden kann. --

Abends genoß ich herzerhebende Augenblicke unter den Eingeborenen, denn ich von Christi Tod, Begräbniß, Auferstehung und künftigem Gericht erzählte. Ihre Aufmerksamkeit zeigte, daß sie mich verstanden; auch hatten sie die Namen Gottes, unsers Herrn und des ersten Menschenpaares, welche ich ihnen früher [schon] gesagt [hatte], noch nicht vergessen. Eine lange Unterhaltung darauf mit Br. Teichelmann über Heirathen und so weiter, die mir nicht gefallen [hat].

( 122 ) Den 7ten September 1839.
Ich erfuhr heute, daß Pinki* [kleiner Beutel aus Opossum-Fell] oder yurnto* etwas Geheimnißvolles bedeutet, was die Weiber und Kinder nicht wissen müssen. Wenn ich recht verstanden habe, so ist es ein Stückchen Holz, das namentlich zum Aderlaß gebraucht wird.

Mein heutiger Besuch in Klemzig war sehr mager, indem die Anwesenheit des Herrn Julius Fiedler und später Menge(144) fast alle Unterhaltung abschnitt. Bertha war außerordentlich frei und unbefangen und ich wars auch, um so mehr, als mir Bertha in einem günstigen Augenblicke sagte, ich möchte jetzt ein ernstes Gesicht machen. Es wühlte und bangte den ganzen Abend mit unerträglichem Schmerze in meiner Brust, daß ich die theure Seele dicht vor mir sehen mußte und nicht ein Wort, kaum einen Blick mit ihr wechseln durfte.

Beim Abschied begleitete mich Bertha wieder hinaus, wo sie auf mein Bedauern, daß dieser Besuch so unglücklich ausgefallen, erwiederte, daß er dennoch sehr glücklich für sie gewesen sei. Sie bat, doch zuweilen Sonntags zu kommen, da ihr Vater seine Verwunderung geäußert [habe], daß ich nie Sonntags käme. Während wir noch darüber sprachen, näherte sich Herr Julius Fiedler und wir mußten einander gute Nacht sagen. Diesen Mangel an Gelegenheit, unsere Gedanken und Gefühle aus zu tauschen, hat ein starkes Bedürfniß bei mir unbefriedigt gelassen, und eine zwingende Sehnsucht in mir hervorgerufen.

( 123 ) Den 8ten September 1839. Sonntag.
Ich war heute zu zwei verschiedenen Malen bei einem Häuflein von Eingeborenen, die ich theils wieder nach den Namen unserer ersten Eltern und so weiter fragte, theils ihnen die Schöpfungsgeschichte aufs neue erzählte, ihnen unsere Gebote sagte und dergleichen. Sie waren sehr aufmerksam und ein Jamaiama unterstützte mich nicht wenig beim Rügen der Trägheit, und des Lachens über göttliche Dinge. Der neue Gedanke, ihnen Gott als Towilla* [heiliger Geist] vorzustellen, scheint

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