gerade auf dem Wege nach Klemzig, wo Schlinke seine Ansprüche auf Bertha heute geltend machen wollte.
( 162 ) Wie ich [an]kam, war Schlinke noch nicht da, und fast glaubten wir schon, er werde nicht mehr kommen, als er plötzlich, während der Kinderlehre, wie Bertha und ich gerade ganz vertraulich über die Anknüpfung unserer Liebe sprachen, angefahren kam. Gleich nach Beendigung der Kinderlehre erschien Vorsteher Weimann und holte Bertha und Herrn Fiedler vor die Schranken; gern hätte ich noch unmittelbar vorher ein Wort mit Bertha [gewechselt], allein das Haus war so voll Leute, daß dies nicht geschehen konnte. Dieser Umstand erhöhte die Unruhe, die ich während des wenigstens zweistündigen Verhörs empfand. Länger ist mir keine Zeit noch in meinem Leben geworden, als diese beiden Stunden, und mit größerer Spannung habe ich noch nie dem Ausgange irgend einer Sache entgegen gesehen, als heute. Immer war ich schon daran, zum Pastor zu gehen, um zu sehen und zu hören, was vorgingen, als mir nun vollends Mathilde die Nachricht brachte, daß man sehr heftig gesprochen habe, da trieben mich Furcht und Zorn, daß man meiner lieben Bertha vielleicht hart zusetzen möchte, daß sie vielleicht, von allen verlassen Thränen vergießen möchte, indeß ich wie ein Hase furchtsam und wie ein Schaf geduldig ihre Liebe ohnmächtig bekennend zu Hause säße. Diese Gedanken trieben mich, mit unwiderstehlicher Gewalt hinaus, Wie ich anklopfte, rief man wider mein Erwarten: "Herein"; zwar antwortete Herr Pastor Kavel auf meine Frage, ob ich störe, er glaube nicht, allein es trat für einige
( 163 ) Augenblicke eine Pause ein, die mirs schwer machte, anzuknüpfen. Endlich sagte Herr Fiedler, ich käme gerade zur rechten Zeit, weil ich jetzt selbst sagen könnte, ob er mir etwas in Bezug Krummnows gesagt hätte, oder was das für en Hühnchen wäre, das ich mit letzerem zu pflücken hätte; als ich mich indeß zur Erklärung bereit finden ließ, wollte man es gar nicht wissen. Ich sagte nun, daß ich einmal zur Theilnahme an der Verhandlung aufgefordert sei, so stünde es mir wohl frei, zu fragen, wie weit man gekommen sei. Darauf sagte der Herr Pastor, daß die Sache einer reiflichen Überlegung bedürfe, und daß er künftige Woche oder so eine Erklärung geben wolle. Dies mißverstehend sagte ich, daß die Sache ja heute abgemacht werden könne, daß sie keinen Aufschub leide, weil noch andere dabei betheiligt seien. Fiedler beruhigte mich indeß damit, daß der Herr Pastor blos eine schriftliche mit biblischen Gründen unterstützte Auseinandersetzung für Schlinke meinte.
Darauf sagte letzterer, wenn er denn unrecht habe und hierunter leiden müßte .....
Der Herr Pastor: Er leide hier gar nicht, da das "Wenn" von Vater und Tochter gebraucht sei.
Schlinke: Es wäre doch immer ein Ja für den Christen.
Ich: Der Christ könne ein Ja mit Bedingung geben.