Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840
Sonderbar genug fügte es sich so, daß ich erfuhr, was mir Bertha zum Weihnachten ( 201 ) zugedacht hat, ich hatte nämlich bei Br. Teichelmann, bei dem ich zu Mittag speiste, mein Taschentuch liegen lassen; und da ich nun nach Klemzig kam und stark schwitzte, so bat ich mir von ihr eins aus, und siehe da, sie brachte ein seidenes hervor, an dem ich sie früher hatte arbeiten sehen, und dessen Zweck sie mir damals nicht sagen wollte, sondern antwortete, er sei für einen Mann im Dorfe. Vater hätte ihr aber verboten zu sagen, für wen.

Den Abend brachten wir zum Theil im Garten hinterm Hause zu, da Herr Julius Fiedler in letzterm war und wir also nicht ungestört gewesen wären. Herr Fiedler schenkte mir eine Kiste Cigarren. Bertha erzählte mir unter andern, daß Vater zu ihr gesagt habe, wenn sie und ich in Encounter Bay und er in Neuschlesien wäre, dann würden sie sich wohl selten einander sehen. Ich müßte dann aber [ein] Fuhrwerk anschaffen, und so viel Zeit würde ja auch wohl sein, daß wir, ich und Bertha, sie wenigstens alle Jahre einmal besuchten. Und einmal, hätte sie geantwortet, kämen sie, so daß wir [uns] alle halbe Jahre wieder sähen.

Bei einer Gelegenheit, als ich ihr zu verstehen gab, wie glücklich mich ihre Liebe mache, wiederholte sie, daß sie nichts mehr wünsche, als mich immer glücklich zu machen, so viel an ihr liege. --

Als ich nach Hause kam, hatten die Ostmannen einen Tanz, wobei unsere Leute Zuschauer waren, so daß die ( 202 ) bisherige Feindschaft aufgegeben zu sein scheint.

Den 23ten Dezember 1839.
Verabredeter Maaßen hielt ich heute zum ersten Male mit den eingeborenen Kindern Schule; es waren ihrer 7 nebst einigen Erwachsenen. Unter den letztern war auch Itja mai itpinna, der die Buchstaben so schnell faßte, daß er mir schon eine kleine Hülfe leisten konnte. --

Am letzten Sonnabend war mir eine Axt weggekommen, und da ich nicht ohne Grund vermuthete, daß sie von meinen Eingeborenen gestohlen seien, so fragte ich sie heute darum und untersuchte ihre Netze und Taschen oder Beutel. Letzteres erlaubten sie mir nicht nur, sondern die ersten zeigten mir freiwillig ihre Netze und legten überhaupt viel Widerwillen gegen den Diebstahl an den Tag.

Herr Julius Fiedler besuchte mich heute in der Schule.

Den 24ten Dezember 1839.
Statt 7 hatte ich heute 15 Kinder in der Schule. Bis jetzt lernen sie spielend und schnell und machen mir also Freude, gebe Gott, daß dieselben durch das Weggehen der Kinder nie getrübt werde. Kaufte einen Sonnenschirm für Bertha, 18 Schilling.

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