Ich hatte
( 210 ) heute Gelegenheit zu sehen, wie sich die Eingeborenen zur Ader lassen. Ein jeder thut das an sich selbst indem er gleich den Europäern eine Schnur um den Oberarm bindet, und dann ein Stück spitzes Glas nimmt, mit dem er wiederholt und so lange in der Ader bohrt daß es einem beim Ansehen desselben eiskalt über den Rücken läuft. Heute waren ihrer zwei; der erstere lies sein Blut auf die Erde laufen, der zweite indeß hielt einen Pflock oder hölzernen Nagel von etwa 5 - 6 Zoll lang unter, und ließ sich das Blut an dem schon früher mit Blut bedeckten Kopf desselben ansetzen. Nachdem er ausgeblutet [hatte], steckte er den erwähnten geheimnißvollen Pflock, in ihrer Sprache
Puingkurru* [genannt], am Feuer fest, damit das Blut darauf trockne, zur Verhinderung von Kopfweh und Todt, die sonst den zur Ader Gelassenen treffen würden. Die Weiber dürfen auch diese Handlung um keinen Preis sehen. Der Zweck ihrer Aderlässe ist derselbe wie bei Europäern, nämlich zur Erleichterung des Kopfweh, wenn er von Blutandrang leidet.
Wie ich höre, sind heute 4 Eingeborene eingesteckt, die aus des Gouverneurs Garten, wie man sagt, Kartoffeln gestohlen haben sollen.
Muleanibarka, den ich scherzweise mit einem Speere neckte, war ganz böse.
Den 31ten Dezember 1839.
Abermals ist mit Deiner Hülfe, mein Gott, dies Jahr abgelaufen; überblicke ich dasselbe auch nur flüchtig, so finde ich überall Spuren ( 211 ) Deiner Geduld und Treue gegen mich. Du hast mir in demselben einen bestimmten Wirkungskreis für die Zukunft angewiesen, hast mir eine liebenswürdige Gefährtin in demselben verliehen, darum nehme ich von diesem Jahre mit dem Troste und der Hoffnung Abschied, daß Du mir in den mir noch bevorstehenden Jahren nicht minder gnädig sein und mich zum Segen setzen werdest. Vergib mir alle meine
Schwachheiten und Sünden des verflossenen Zeitabschnittes und hilf mir, von jetzt ab meine Zeit sowohl für mich selbst, als [für] mein Amt recht aus zukaufen und lehre mich bedenken, daß ich sterben muß, auf daß ich klug werde.
[Auch hier ist wieder ein (diesmal anderes) Tatzenkreuz/Prankenkreuz verzeichnet.]
(Abb. 04)
Tatzen- oder Prankenkreuz