Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
der Hoffnung aufgerichtet, daß Pastor Kavel mit Bertha gesprochen haben möchte, ging ich nach Klemzig. Allein da Pastor Kavel erst am Sonnabend von Hahndorf gekommen war, so hatte er noch keine Zeit gefunden, mit meiner Braut zu reden, auch war er heute so beschäftigt mit Briefschreiben, daß er wenig mit mir sprechen konnte, dazu sagte er, er habe jetzt eine große Furcht, in derlei Sachen zu reden, zumal könne er jetzt nichts sagen, da er Bertha nicht gesprochen [habe], und so nicht wisse, ob sie recht oder unrecht handele durch ihr Zurücktreten. Er hatte Bertha's vorgeschützten Grund nicht von ihr, sondern durch die Weimann erfahren.

Bertha ist und bleibt mir ein Rätsel; wenn ich recht beobachtet habe, so ist sie ohne Sorge und Kummer und ohne -- Liebe, wie sie selbst sagt. Sie bat sich von mir aus, daß ich nicht mehr "Du" sagen möge, sie ist ohne Mitleid mit mir, fühlt nichts von meinen Leiden und bleibt dabei, daß sie keinen Funken Hoffnung habe; daß ich mir mein Leid schwer mache und so weiter. Stelle ich ihr die Sache von der christlichen Seite dar, so klagt sie sich des Mangels an früherer ( 257 ) Prüfung, statt ihre jetzigen Übereilung an, und sagt, daß der Mensch seinen freien Willen haben soll und dergleichen.

O Gott,
warum hast Du mich in dieses große unabänderliche Elend kommen lassen? Tröste, stärke mich doch nun wieder, und fülle mein Herz ganz mit Deiner Liebe, wenn ich die meiner Braut nicht weder erlangen kann und soll, auf daß ich nicht in sehnsüchtiger Einsamkeit verschmachte. --

Da der von mir gemiethete Knabe aus Hahndorf ausgeblieben ist, so wandte ich mich an Engelhardt, indem Weimann am letzten Sonntag äußerte, in seiner Gegenwart, es wäre zweckmäßig, wenn er mit mir ginge und er nichts dagegen sagte. Allein heute meinte er, er habe dahin keine Neigung. So verlassen mich meine Glaubensgenossen alle, alle.

Darum bleib Du, Herr Jesu! mein Hirt und mein Hort, und sei bei mir in meiner Einsamkeit. --

Bertha läugnet, daß sie ihre Gedanken auf einen andern Gegenstand gerichtet habe, obwohl es heute scheinen konnte. als ob Herr Julius Fiedler ihre Gunst besäße, doch ists vielleicht nicht so.

Den 12ten März 1840.
Moorhouse war heute bei dem Gouverneur gewesen, welcher gesagt [hätte], wenn ich künftig in Encounter Bay Lebensmittel für die Eingeborenen bedürfte, so möchte ich nur an Moorhouse einen officiellen Brief schreiben und dann sollten sie mir verabfolgt [gegeben] werden.

Dir, o Herr!, sei Dank für alle Gnade.

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