Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
Den 2ten October 1840.
Ich besuchte Herrn Bischop(045), um etwas Thee zu kaufen, zum Thee eingeladen, blieb ich indeß längere Zeit da. Frau Kemp(046), Bischops Schwiegermutter, scheint eine fromme Person zu sein, sie klagte wenigstens sehr über den Mangel der Gnadenmittel an diesem Orte. --

Diese Woche über haben Gottfried und ich fleißig gegärtelt.

Den 4ten October. Sonntag.
Der Gottesdienst ward von Dr. Harvey und in Herrn Winter's Abwesenheit von dem alten Herrn Hill(047) gehalten. Ich sprach nach Beendigung desselben einige Worte mit Herrn Eyre(048), der gestern zurück gekommen ist, und von dem ich erfuhr, daß die Eingeborenen im Innern ( 022 ) gering an Zahl und sehr diebisch seien. [Die] Frau[en] Kemp und Bischop hatten mir zu verstehen gegeben, daß ich mich der hiesigen Sonntagsschule annehmen müßte, daher ging ich heute Nachmittag hin, und fand ein Dutzend Kinder, unterrichtet von dem alten Hill, Frau Bishop und Fräulein Kemp(049). Weder zu Anfang noch zu Ende war Gesang oder Gebet, auch dauerte das Ganze nicht über eine Stunde, daß daß mir sehr wesentliche Verbesserungen nöthig scheinen.

Den 6ten October 1840.
Ich ging zu dem deutschen Tischler Neander und gab ihm zu verstehen, daß es endlich hohe Zeit sei, sein Kind taufen zu lassen, worauf sie den nächsten Sonntag bestim[m]ten und wünschten, daß es im Englischen geschehen möchte. Von da ging ich zu Matth[ew]. Smith, dem Magistrat, wo ich bis 10 Uhr blieb. Der junge Hawson(050) (051) war da bis etwa 8 Uhr Abends, auf dem Wege nach seiner Station, wo sein 12-jähriger Bruder [Frances Tapley; Frank] seit zwei Tagen ganz allein sei. Er sagte, daß die Eingeborenen vor einiger Zeit bei ihm gewesen seien und ein rothes Hemd gestohlen hätten, wor- ( 023 ) auf er hinter ihnen her gelaufen sey und seine Flinte abgeschossen habe, seit welcher Zeit sie nie wieder gekommen seien.

Den 7ten October 1840.
Morgens um 5 Uhr wurde ich von dem alten Hill mit der Nachricht geweckt, Hawson's Kind sei von den Eingeborenen gespeert [worden], der Magistrat und die Polizei seien im Gasthofe versam[m]elt und im Begriff, die Mörder zu verfolgen; sie ließen mich fragen, ob ich mit gehen wolle. Ich zog mich alsbald an, aß im Wirthshause mit den andern etwas Frühstück und zog darauf mit ihnen aus. Wir gingen zuvörderst nach Hawsons Station(052) etwa 6 Meilen von der Stadt [entfernt]. Wir fanden da weiter keine Spuren als die Enden von den Speeren, welche der ältere Bruder abgesägt hatte, bevor er den armen Knaben nach Hause brachte. Eine Meile weiter auf einem Hügel fanden wir ein noch brennendes Feuer in einem umgefallenen Baume. Von hier ging es auf Herrn Whites Station(053) zu,

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