Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
mit ihnen zu reiten, ( 078 ) um die Weiber und Kinder zu sehen. Als wir nicht weit mehr von dem Orte waren, ging Murpa voraus, um dieselben auf meine Ankunft vorzubereiten. Aber trotz dem sah ich doch einige davon rennen und einige Kinder konnten nur mit Gewalt davon abgehalten werden. Ich fand etwa drei Frauen, zu denen später noch einige kamen, die sich versteckt hatten; sie waren meistens jung, wohlgenährt und nicht übel aussehend, ausgenommen, daß sie keinen Funken von Schamgefühl zu besitzen schienen, da sie alle ganz entblößt waren. Ich [gab] jeden derselben, und auch den Kindern, ein Stück Brot, die letztern waren jedoch so bange vor mir, daß sie mit Gewalt zu mir gebracht werden mußten.

Den 7ten Juni 1841. Sonntag.
McEllister, dem ich von meinem gestrigen Besuche sagte, bedauerte, daß ich ihn nicht mitgenommen [hatte] und schlug vor, daß wir heute zusammen nach Wannelli reiten möchten. Er nahm mehrere abgelegte Kleidungsstücke für Kinder mit sich, die er unter den Kleinen vertheilte, außerdem hatte er sich bemüht, von Europäerinnen in Port Lincoln noch einige Kleider für die Frauen zu erhalten, aber die ersteren hatten sich geweigert, seinen Wünschen zu entsprechen, mehrere mit dem Bemerken, wenn sie auch zwanzig Kisten voll Kleider hätten, so wollten sie doch den Eingeborenen keine geben.

McEllister theilte mir mit, daß Dr. Harvey ihm gesagt [hätte], er hätte mir sein Haus zu wohlfeil [preiswert, günstig] vermiethet, er hätte wenigstens zehn Schillinge fordern sollen, wie er (Dr. Harvey) selbst gethan.

( 079 ) Den 9ten Juni 1841.
Ich ging zu Herrn McDonnald, um einige zurückgelassene Sachen zu holen. Er war sehr freundlich, lud mich zum Mittagbrot, bei dem er grad niedersaß, ein, und machte mich einen sehr angenehmen Abend bei ihm zuzubringen. Wie ich von Barnard höre, hat Dr. Harvey mich ihm in dem ungünstigsten Lichte darzustellen gesucht, wegen meiner Weigerung, in seinem Hause wohnen zu bleiben.

Den 16ten Juni 1841.
Ich bemerkte, daß in meinem frühern, an Karl Gaesdon(104) verkauften Garten, den die Eingeborenen indeß noch fürden meinigen halten, mehrere Kartoffelbüsche ausgegraben waren. Auf meinem Wege nach Happy Valley traf [ich] Yutalta, Tubulta, Kanyokalendi, Muwadna, Palyanna und Tyilye an, theilte ihnen meine Entdeckung mit und beschuldigte Ngulga und Kanyokalendi mit dem Diebstahl; ich wollte dann mit ihnen zurück gehen, aus Besorgniß, sie möchten in meiner Abwesenheit mehr neues stehlen. Indeß Yutalta sagte, sie wollten, mein Haus vermeidend, über die Berge nach Port Lincoln zu gehen. Ich glaubte dieses Vorgehen und konnte mir nicht denken, daß Yutalta ein so verschlagener Bösewicht sein sollte, trotz meine Unwillens über den Kartoffel Diebstahl und meiner ausgesprochenen Befürchtung, daß sie nun meine Abwesenheit benutzend, aufs neue stehlen würden, dennoch nichts geringeres zu beabsichtigen. Als ich zurück kam, fand ich ( 080 ) vor der Thür des Zimmers, das mir zu meiner

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