Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
Wort erinnerten, sondern daß sie alle Br. Teichelmann zurück haben wollten, als sie sahen, daß ich entschlossen war, bei ihnen zu bleiben. Als er nicht zurückkam, so schickten sie ihm einen Mann nach, damit ihn ( 128 ) nicht der Ngkunna* (Menschenmörder) umbringen möchte; sie versuchten bei dieser Gelegenheit abermals, mich zum Umkehren zu bewegen und vielleicht wäre ich gegangen, wenn wir nicht schon eine Strecke von unserer Lagerstätte entfernt gewesen wären, als wir von Br. Teichelmann's Begleitung hörten. Der große Haufen theilte sich hier in zwei kleinere, derjenige, welchem ich mich anschloß, bestand aus etwa 20 lauter jungen Leuten, mit Ausnahme von zwei Männern und einer starken Frau mit ihrem Kinde, welche an der Seite ihres Mannes alles mit durch machte. Da wir heute durch eine von Wildpret entblößten Gegend zogen, so ging es rasch und über eine weite Strecke, so daß ich froh war, als Halt gemacht wurde. Das geschah auf einem Bergrücken, von dem man die Ebene übersehen konnte, welche daran gränzte, und in welcher unsere Hauptjagd statt finden sollte. Ich machte mir diesen Abend selbst eine Hütte und ein gutes Feuer, um nicht gleichem Froste, wie in der vorigen Nacht ausgesetzt zu sein; allein die jungen Leute lagerten sich so viele bei mir herum, daß ich wenig für meine Mühe hatte. Anfangs wehrte ich ihnen das nicht, weil ich mit ihnen über die Schöpfung, den Himmel (das Haus Gottes oben) und die Hölle (das Feuerloch unten), vom künftigem Weltgericht und so weiter sprach, und es auch so weit brachte, daß sie nicht (wie sie sonst pflegten) lachten, sondern meinen gebrochenen Sätzen aufmerksam zuhörten, daher ich ( 129 ) ihrer später nicht mehr los werden konnte.

Den 11ten September 1839.
Nicht in die Ebene, wie ich geglaubt hatte, sondern seitwärts auf die letzten Ausläufer der Berge ging die Jagd; um 11 Uhr hatten wir schon ein Känguru, welches die Hunde ins Wasser getrieben, oder welches vielmehr selbst in der Angst ins Wasser gesprungen war und nachher von den dem Hundegebell nacheilenden Eingeborenen mit ihren Keulen todtgeschlagen wurde. Während der Zubereitung desselben jagten zwei Jünglinge in der Nähe ein zweites, welches herbeigetragen und in demselben Loche gebraten wurde. Es waren unserer nur wenige, da die größere Hälfte von dem schon kleineren Haufen uns heute Morgen verließ; deshalb hatten wir jeder so viel zu tragen, als er nur immer schleppen konnte. Als wir an unserer Lagerstätte ankamen, fanden wir den ganzen Haufen wieder vollständig von dem einige ein drittes Känguru gerade herbei trugen, das unsere vorlaufenden Hunde aufgejagt hatten und das von jenen aufgefangen worden war. Obschon es schon finster ward, wurde es doch sogleich geschlachtet und geschmort; Ich hatte schon beim ersten Fang, um einen Schwanz angehalten, den ich meiner Bertha schenken wollte, als einen Beweis, wie nahe sie mir auch im Busche gewesen sei, allein sie vertrösteten mich immer auf das nächste Mal; von diesem dritten glaubte ich nun doch gewiß den Schwanz zu bekommen, und die meisten forderten ihn für mich, allein ein alter Knauser wollte nicht. Jetzt that ich wie beleidigt, ( 130 ) ihnen ihre Wortbrüchigkeit vorhaltend, und wie sie mich wieder auf morgen verwiesen, so sagte ich, morgen und übermorgen würden sie noch sagen, morgen

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