Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839

welches auf den Braten gelegt wird. Die Lücken zwischen der Rinde und dem Rande des Loches werden nun mit Erde angefüllt, so daß keine Luft durchdringen kann. Ein halbes Stündchen wird nun behaglich geruht, dann das Grab geöffnet und der reichlichste herrlichste Schmorbraten hervorgezogen. Des Metzgers Geschäft [ist] es nun wieder, den Vorleger zu spielen, als welcher er etwas weniger reinlich ist und sich mehr der an einem ( 126 ) Ende spitzen Keule (wodna*) als das Messer bedient. Mit ersterer zerreißt er die Bänder der Gelenke auf eine sehr geschickte Weise, das ganze etwa in 8 - 10 großen Stücke theilend. Wenn nun jeder seine Eßlust einigermaßen befriedigt hat, so packt man den Rest ein, um ihn mit dem Troß, der aus Weibern Kindern und einigen Männern besteht, und der keinen Antheil an der Jagd nimmt, sondern blos von einer Lagerstätte zur andern ziehend, Wurzeln und dergleichen eßbare Pflanzen sucht, des folgenden Abends und Morgens weiter zu verzehren."

Der heutige Bratplatz war so weit von der Lagerstätte entfernt und wir brachen so spät auf, daß wir erst an letzterer ankamen, als es schon ganz dunkel war. Wir mußten uns deshalb, da es zum Errichten einer eigenen Laubhütte zu finster war, entschließen, in der Hütte und am Feuer eines Eingeborenen zu schlafen. Die Verwunderung und Freude über Br. Teichelmann und mich, daß wir sie begleiten wollten, war anfangs sehr groß; nicht minder brachte der Vorrath an Fleisch Heiterkeit unter den Haufen, so daß bis tief in die Nacht nach ihrer Weise gesungen wurde. Bei dieser Gelegenheit habe ich einige von den Recitationen gesammelt, welche die Eingeborenen in ihren Gesängen zu sprechen pflegen, und die deshalb merkwürdig sind, weil ( 127 ) sie den Eindruck enthalten, welche[n] das Erscheinen der Europäer auf das Gemüth der Eingeborenen gemacht hat. Das erste, welche ich mir sagen ließ, lautet: Waiene numa, Barlokka witte*, das heißt "Fürchtet sehr die großen Rinder"; wie anders: Pindi mai birkibirki*, das heißt "(Eine) fremde Speise (sind die) Erbsen", und so weiter.

Den 10ten September 1839.
Am andern Morgen gaben uns die Eingeborenen den Rath, umzukehren, vorgeblich, weil sie sehr weit gehen würden, in der That aber, weil sie fürchteten, wir würden zu viel von ihrem Fleische essen. Br. Teichelmann ließ sich hiedurch, wie mir schien, aus übergroßer Empfindlichkeit, sowie durch die Unannehmlichkeiten der vorigen Nacht bestimmen, umzukehren, ich aber beharrte bei meinem Vorsatz um so mehr, um den Eingeborenen keine Wortbrüchigkeit zu gestatten, da sie versprochen [hatten], uns Känguru Fleisch zu geben. Es schien mir in Br. Teichelmanns Benehmen eine Schwäche zu liegen, welche dem Eigennutz und der Wortbrüchigkeit Vorschub leistete und darum von nachtheiliger Wirkung sein müßte. Wie vollkommen die Eingeborenen auch das Unrecht ihres Verlangens einsahen, ging nicht nur daraus hervor, daß die beiden jungen Leute, welche uns von Adelaide mitgenommen hatten, uns zu meiden suchten, wenn wir sie an ihr

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