Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
Den 17ten September 1839.
Nachmittag ging ich mit [Br.] Teichelmann zu Mullawirra burka, welcher bald darauf einen Besuch bekam von einem neusüdwalliser Eingeborenen. Wir gingen mit beiden zurück, um den letztern nach mehrerem zu fragen. Es spricht das Englische fließend, aber undeutlich, so daß ich ihn nur schwer verstehen konnte. Seine Sprache ist verschieden von der in Threlkelds's Grammatik enthaltenen, er konnte nicht lesen, sagte aber, er sei unterrichtet, allein nicht getauft, wen ich ihn recht verstanden [habe]. Nach seiner Aussage bekommen seine Landsleute, die viel zahlreicher als die hiesigen Eingeborenen sind, Rationen zu 1 £ Sterling die Woche, bauen Häuser und den Acker, haben von den Pfaffen (parson, seine Ausdrücke sind sehr gemein) Unterricht in ihrer Sprache und so weiter. Er hat versprochen, morgen oder so wieder zu kommen. Captain Sturt's(145) Bruder hat ihn über Land mitgebracht. --

Unerwartet kam Herr Meier zu mir, der mir vieles von dem erzählte, was Herr Julius Fiedler gesagt [hatte] in Bezug ( 137 ) auf Herrn Fiedler und an Bertha. Letztere sei träge und dergleichen, er habe ihr und nicht sie ihm den Korb gegeben. Es hat heute die jüngere Frau des Wattewattitpinna* ihr erstes Kind geboren, welches sie Kartanje* nennt, woraus hervorgeht, daß die Kinder nach der Aufeinanderfolge, in der sie von der Mutter geboren [wurden], genannt werden, und nicht nach dem Vater.

Den 18ten September 1839.
Herr Meier begleitete mich heute nach Klemzig, was mir deshalb sehr unlieb war, weil durch seine Anwesenheit die Unterhaltung mit Bertha gestört wurde. Was Herr Meier von Bertha's Aufblühen, gesagt [hatte], wird von Tage zu Tage wahrer. Meine Vermuthung, daß Herr Ferdinand Kavel nach Bertha gefreit [habe] bestätigte letztere heute selbst. Daß Bertha innig liebt, dafür brauche ich nicht mehr allein ihre freundliche Aufmerksamkeit als Beweis zu nehmen, sondern auch ihre ansteigende Vertraulichkeit im Gespräch. Nie gehe ich weg, ohne daß sie mich fragt, wann ich wieder komme. --

Den 19ten September 1839.
war Herr Pastor Kavel bei mir, der mir den Vorschlag machte, Friedrich Krummnow(146) mit nach Encounter Bay zu nehmen, wozu ich natürlich wenig Hoffnung gegeben habe.

Den 22ten September 1839. Sonntag.
Ich war von Herrn Fiedler zum Mittagbrot eingeladen, weshalb ich gegen 9 Uhr Morgens wegging um zum Gottesdienst früh genug zu kommen. Als ich ankam, ertappte ich Bertha in ihrem Morgenkleide, gerade im Begriff, sich zu schmücken. Ein verschämtes Erröthen überflog sie bei meinem Anblick, welches mir sie in einer eigenthümlichen Schönheit zeigte. ( 138 ) Außer mir war Herr Meyer zu Tische geladen und Nachmittags kamen auch Kleinschmidt und Schlinke außer

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