Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840
Den 1ten November 1839.
Ich blieb heute über Mittag in Klemzig. Bertha und ich schälten Vormittags grüne Erbsen, wobei es jede Gelegenheit zur Unterhaltung gab. Unsern Verlobungstag möchte sie gerne bis auf ihren Geburtstag hinaus geschoben wissen. Herr Fiedler sagte mir, daß Herr Pastor Kavel gesagt habe, er wisse nicht, ob er bei meiner Verlobung zugegen sein dürfe, weil ihm unbekannt sei, ob ich auch von meiner Gesellschaft Erlaubniß habe. Dies mißfiel mir gleich anfangs deshalb, weil Pastor Kavels Rede voraus setzt, daß eine Gesellschaft das Recht ( 166 ) haben könne, ehelich zu werden, zu verbieten, und nach Br. Teichelmanns Aufmerksammachung noch mehr aus dem Grunde, weil Pastor Kavel mir einen Bubenstreich zutraut.

Krummnow hat zwar geläugnet, daß er Schlinke zu der Anklage veranlaßt habe; allein Kleinschmidt versicherte, daß Schlinke selber gesagt [habe]: Die Sache sei ihm selbst unangenehm und er würde sie nicht unternommen haben, wenn Krummnow und Schlinke sie ihm nicht als nöthig vorgestellt hätten. Und Bauer hat die Klemziger Kirchenordnung in Schlinkens Händen gesehen, auch von Kramer(159) gehört, daß Krummnow Schlinke Anweisung gegeben [hätte], wie er die Sache angefangen habe.

Br. Teichelmann sprach heute Abend wieder so zu Gunsten Schlinke's, und mir zum Ärger, daß ich ihm [zu] Schweigen auflegte.

Den 2ten November 1839.
Da ich wußte, daß Bertha heute nach Adelaide kommen würde, so machte ich mir um die Zeit auch Geschäfte in der Stadt; nämlich ich ging nach dem Polizeiamte, um mit Herrn Edwardts(160) zu sprechen; leider war er aber fort und [Herr] Stewart(161) wußte nichts von den Häusern in Encounter Bay. Hiernach erkundigte ich mich nach meinem Haarbesen. Wie [ich aus der Stadt] heraus kam, wollte ich nach Rowlands(162) Gegend zu gehen, in der Hoffnung, Bertha dort irgendwo zu treffen, aber siehe da, die Holde begegnete mir schon bei Hack(163). Wir gingen darauf nach dem Waterloo Hause(164), um Ringe zu kaufen, der aber keine hatte, sondern uns zu Wainwright(165) ( 167 ) wies, der Vorrath genug hatte. Bertha that sehr verschämt, allein sie ließ sich doch dazu vermögen, ihren Ring anzupassen; der ihrige kostete nur ein Pfund; mir wollte er einen bunten für zwei Pfund empfehlen, indeß Bertha meinte, sie müßten gleich sein, und so nahm ich auch einen für ein Pfund. Nachdem sie auch einige Geschäfte gemacht [hatte], legte sie ihren Korb auf den Wagen und ging mit mir voraus über die Brücke; wo ich sie zu den Eingeborenen führte, die mich fragten, ob es meine Frau wäre. Eine Frau fragte mich, ob meine Seele erzürnt (turla) wäre?

Nachdem ich einen süßen Kuß von ihr [Bertha] empfangen [hatte], führte ich sie wieder auf [den] Weg, wo uns bald einige Klemzigerinnen und bald darauf der Wagen begegnete und wir also uns trennen mußten.

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