Herr Bauer erzählte mir, daß Pastor Kavel morgen, das ist am 23ten Sonntag nach Trinitatis, um 4 Uhr Nachmittag in Stow's Kapelle Gottesdienst halten werde; ein sehr amtsbrüderliches Unternehmen von ihm.
Den 3ten November 1839. Sonntag.
Heute Morgen um 9 Uhr hatten wir wieder zum ersten Male Gottesdienst nach einer Unterbrechung von etlichen Monaten, und zwar in Br. Teichelmanns Haus. Er las die erste Betrachtung aus dem "
Wachsthum der Wiedergeborenen"
(166) von Porst
(167). nach beendigtem Gottesdienst gingen Kleinschmidts nach Klemzig. Meine Freude, Bertha nun bald als meine verlobte Braut zu besitzen, ward mir heut sehr verbittert, und zwar durch Prediger Kavel. Als Bertha sich gestern zum heiligen Abendmahl gemeldet [hatte], hatte Pastor Kavel sie abge-
( 168 ) wiesen, weil die Schlinkesche Angelegenheit noch nicht zu Ende sei. Er müsse noch zuvor an meine Gesellschaft in Dresden schreiben, und bis dahin, gab er ihr den Rath, ihr Verhältniß zu mir als nicht bestehend zu betrachten; es würde uns dies freilich betrüben, allein wir würden später gewiß einsehen, daß es gut sei.
Die Wirkung dieser priesterlichen Ermahnung auf Bertha's treues und gewissenhaftes Herz war so groß gewesen, daß sie mich bat, den gestern erwähnten Ring zurück zu nehmen und daß sie sich weigerte, [mir] einen Kuß inniger Liebe und Treue zu geben. Aufgebracht über dies herrschsüchtige Benehmen Kavels ging ich zu ihm, um ihn darüber zur Rede zu stellen.
Er sagte, sein Gewissen ließe ihn nicht anders handeln, da die Gesellschaft Vaters Stelle bei mir einnehme.
Ich erwiederte, wenn das auch wäre, so sei es meine Pflicht, derGesellschaft es bekannt zu machen, wie ich auch vorhätte, zu thun, nicht aber seine.
Er: Ich könne ja schreiben, so viel ich wolle, daran hindere er mir ja nicht.
Ich: Schon recht, allein er brauche gar nicht zu schreiben; oder ob er mich in Verdacht habe, daß ich leichtsinnig ihn [in] Verlegenheit führen würde, angenommen, daß die Gesellschaft ein solches Gebot zu stellen[habe]?
Er: Das nicht.
Ich: Warum er dann mich bei der Gesellschaft in Verdacht bringen wolle, als hätte ich hier einen dummen Streich begangen.
Er: Er würde mich seinen Brief zuvor lesen lassen,