Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840

Ich: Aber wenn nun die Gesellschaft nichts dagegen habe, wie ich im Voraus wisse?

Er: Um Schlinke's und der Kirche willen überhaupt müsse es so strenge mit Fiedler und seiner Tochter genommen [werden], damit solche, die sich künftig ( 169 ) anschließen wollten, keinen Anstoß nehmen möchten, oder wie er es ausdrückte, damit Fiedler und seine Tochter ihnen nicht im Wege ständen. Ich: Was aber das mit der Gesellschaft zu thun habe, und mit welchem “Recht“ ich leiden sollte, damit Wirkung genug geschehe.

Er: Ich sei allerdings unschuldig und ich thue ihm sehr leid, allein er könne nicht anders.

Ich: Ich sähe keinen Zusammenhang zwischen seiner Gemeinde und meiner Gesellschaft, und wenn er ihn klar gefaßt hätte, so würde er im Stande sein, ihn so klar auszusprechen, daß ich ihn fassen könne.

Er: Er wolle mir in einigen Tagen seine Gründe schriftlich mittheilen, da es zur Auseinandersetzung derselben ihm jetzt an Zeit gebräche.

Ich: Gut, allein noch einmal müßte ichs ausgesprochen, daß er sich eine fremde Verantwortlichkeit auflege. --

Ich wurde einige Male heftig, erklärend, ich wolle meine Braut Niemandem auf der Welt verdanken, als ihrem eigenen freien Entschlusse und der Zustimmung ihres Vaters;

ein anderes Mal, sagte er, mich zur Geduld ermahnend, es wäre ihm ja eben so gegangen mit seiner Braut, ehe er die Zustimmung ihrer Eltern hätte erhalten können.

Ich: da hätte sich dann doch Niemand sonst zwischen gelegt; die Zustimmung der Eltern meiner Braut hätte ich auch, und die meiner Vormünder brauchte ich nicht, da ich mündig sei. Übrigens wolle ich seine Gewissenhaftigkeit noch gelten lassen, wenn er zur Trauung aufgefordert worden wäre; allein daran hätte ich noch gar nicht gedacht, und niemand hätte ihn noch damit beschwert, und so weiter, und so weiter.

( 170 ) War es Zorn über Kavels Herrschaft oder war es Liebe zu der theuren Bertha, genug, es kamen mir die Thränen in die Augen, als ich von Pastor Kavel wegging. Bertha war allerdings erstaunt über die Nachricht, die ich ihr brachte, und konnte nicht begreifen, was Schlinke's Sache mit der Gesellschaft in Dresden zu thun habe, aber dennoch wollte sie auf Pastor Kavel kein übles Licht fallen lassen und die harten Ausdrücke, die mir dann und wann entfuhren, mißfielen ihr sehr.

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