Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840
Den 17ten November 1839. Sonntag.
Mit Br. Teichelmann bei Herrn Drescher zu Tisch, zu dem sich Herr Menge selbst eingeladen [hatte]. Herr Drescher betrunken.

Den 18ten November 1839.
Herr Fiedler ließ mich durch August(168) abholen, um einige Geschäfte mit ihm in der Stadt zu besorgen, Abends wollte ich meine liebe Bertha besuchen, allein heftiger Regen verhinderte mich.

Den 19ten November.
An die Gesellschaft den vierten Brief und an Pastor Wermelskirch geschrieben, da Pastor Kavel immer noch nicht geantwortet hat.

( 177 ) Auf dem Wege nach Klemzig traf ich zwei Hahndorfer, die mir Herrn Pastor Kavels Erwiederung auf mein letztes Schreiben übergaben. Der Eindruck, den dieselbe auf mich machte, war ein Gemisch von Traurigkeit und Zorn, deß ich mich mit Mühe nur erwehren konnte. Auf meine theure Bertha machte die Nachricht ebenfalls einen betrübenden Eindruck.

Erst wäre ich beinahe mit Füssli über das englische Wort "Esquire" in Streit geraten, und als Herr Julius Fiedler zu Hause kam, gerieth der mit Füssli in heftigen Zank; später auch Ferdinand Kavel mit Dr. Prudt so heftig, daß er einen Stuhl aufhob. Dieser Schauspiele überdrüssig, wollte ich immer gehen, allein Herr Julius Fiedler nöthigte mich noch zum Bleiben, und als ich ging, begleitete er mich in bloßen Hemdärmeln und ohne Kopfbedeckung bis nach der Stadt. Er war sehr weich, wünschte mir Glück zu meinen Glücke mit meiner Bertha und er wolle es machen, daß wir uns bald heirathen könnten; sein Lob Bertha's war bedeutend. --

Leider will die Polizei den Eingeborenen Jammuruwe mit nach dem Murray haben, wo ich gerade mit ihm in der Sprache Fortschritte machen könnte. So wird eine Hoffnung nach der andren vereitelt;

Gib Du, o Herrr Jesu, mir Geduld, und laß Dein Vorbild mich dazu reizen.

Den 20ten November 1839.
Br. Teichelmann erzählte mir, daß Herr Julius Fiedler, der heute bei ihm gewesen [sei], ihm gesagt [habe], daß Lange(169) und alle Deutschen alle Achtung für mich aufgegeben [hätten], weil ich bei Herrn Meyer eines Abends durchaus Wein verlangt und Trinklieder gesungen [hätte]. Julius Fiedler will ( 178 ) gegen den alten Herrn Fiedler in der Gemeine auftreten, weil letzterer die Ehre seiner seligen Frau nicht rette, die beschuldigt wurde, den Kavel zuerst zum Ehebruch gereizt zu haben.

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