Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840
Meister Weimann hatte wieder etwas gegen Bertha vorgebracht, nämlich, sie habe in ihrem Brief an Schlinke gesagt, sie wolle noch gar nicht heirathen. Herr Fiedler hat deshalb gefordert, den Brief vorzuzeigen, und wenn solches darin stünde, so würde er antworten, sagte er mir: Bertha werde ja auch vor der Hand noch nicht heirathen, und sie hätte ja nicht gesagt, daß sie sich nicht verlieben werde. --

Heute Abend gab mir Bertha Hand und Kuß darauf, ewig mein zu sein;

Dir, mein Gott, sei Dank für das unschätzbare Geschenk, hilf mir es dankbar und gewissenhaft zu gebrauchen.

Nach einem Briefe von Herrn Lobeck(175) in Berlin dürfte vielleicht mit dem nächsten deutschen Schiffe ein Artzt aus Berlin mit seiner Familie sich in Südaustralien ( 182 ) niederzulassen, und eine Zahl von 20 Berliner jungen Handwerkern, die sich den Eingeborenen widmen wollen, hier erwartet werden. Ferner soll die preußische Seehandlung Handel hieher zu treiben beabsichtigen, und die preußische Regierung vorhaben, eine Colonie in Australien anzulegen.

Den 4ten Dezember 1839.
Heute Abend kam ich gerade dazu, als sich Itjamaitpinna von einem Jammaiamma oder Warrawarra* (das ist Doctor) die Stirn saugen ließ. Wie er damit fertig war, spuckte er mit Blut vermischten Speichel aus, welches er ersterem aus der Stirn gesogen habe, und dadurch die Krankheit geheilt haben sollte. Außerdem nahm er einen aus Laub oder dergleichen aufgewickelten kleinen Pflock aus dem Munde, zerriß ihn darauf in mehrere Stücke, wobei er mit sehr bedeutungsvoller [Miene] nach verschiedenen Orten in die Ferne sah, angeblich, um das Paitja, welches er aus dem Leibe des Kranken genommen oder gesogen haben sollte, zu sehen. Hierauf ging der Warrawarra selbst eine Strecke beiseits; wie er wieder kam, wollte er einen andren eben so wie den ersten saugen. Da ich es bestritten ( 183 ) hatte, daß er das ausgespuckte Blut aus der ganz unverletzt gebliebenen Stirn und ihn der Lüge beschuldigt hatte: so sollte dieser neue Versuch mich überzeugen. Ich erwiederte, wenn ich vorher des Warrawarra Zunge und Mund, und, nachdem er gesogen [hätte], erst Blut sähe, dann wollte ich glauben, daß er dasselbe aus der Stirn gesogen [hätte]. Man räumte mir dies ein, und wie der Warrawarra mir seine Zunge zeigte, sah ich einen kleinen Klumpen geronnenen Blutes oder etwas der Art auf derselben liegen; als ich selbiges aber den Andern zeigen wollte, schloß er den Mund zu [und] wollte ihn nicht wieder öffnen. Wie ich nun behauptete, daß der Warrawarra lüge und den Andern sagte, sie sollten ihm nicht glauben, wurden sie sehr heftig, nannten mich einen Mantakarrikarri-burka*, was heißt, einer, der jemanden der Lüge beschuldigt, und fragten mich, warum ich die schwarzen Leute Lügner nenne, da die andern weißen Leute dies nicht thäten; ja ein junger Mensch kam sogar und stieß mich vor die Brust. Auf des erstern erwiederte ich, daß andere Weiße nicht wüßten, was die Schwarzen glaubten, sonst würden sie ihnen eben dasselbe sagen, ( 184 ) weil Gott (Jehova) [es] verboten [hätte], dergleichen zu glauben, sie sollten nur Kartammeru*(176) fragen, ob er nicht ebenso sagen würde.

Seite zurück
zur Gesamtübersicht "Clamor Wilhelm Schürmann"
Seite vor