Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840

der Warrawarra lüge und den Andern sagte, sie sollten ihm nicht glauben, wurden sie sehr heftig, nannten mich einen Mantakarrikarri-burka*, was heißt, einer, der jemanden der Lüge beschuldigt, und fragten mich, warum ich die schwarzen Leute Lügner nenne, da die andern weißen Leute dies nicht thäten; ja ein junger Mensch kam sogar und stieß mich vor die Brust. Auf des erstern erwiederte ich, daß andere Weiße nicht wüßten, was die Schwarzen glaubten, sonst würden sie ihnen eben dasselbe sagen, ( 184 ) weil Gott (Jehova) [es] verboten [hätte], dergleichen zu glauben, sie sollten nur Kartammeru*(176) fragen, ob er nicht ebenso sagen würde. Darauf antworteten sie das Alte, wir Weiße glaubten Jehova's Wort, und die Schwarzen das ihrige, wir hätten Recht und sie hätten Recht p p. Ich sagte, wenn Gottes Wort aber sage, das ihrige sei schlecht, wie denn beide recht sein könnte? Sie fragten dann, ob ich Jehova gesehen [hätte], ob er einem Menschen oder einem Thier ähnlich sei, ob er in meinem Hause sitze? Zuletzt fragte ich Itjamaiitpinna, er solle mir sagen, woher das Rothe auf der Zunge des Warrawarra sei, ehe er gesogen, darauf antwortete er, es sein nun genug, ich sollte nicht mehr sprechen, die Schwarzen seien schlecht p p, alles, wie mir schien, aus Spott.

Den 5ten Dezember 1839.
Heute besuchte ich meine liebe Bertha und brachte ihr ein Gedicht, das ich angefangen hatte, um es ihr zum Geburtstage zu übergeben, welches ich aber erst nachher vollendete. Sie freute sich sehr darüber und dankte mir herzlich dafür, hinzusetzend: dasselbe übertreffe noch alles Andere.

Den 6ten Dezember 1839.
Moorhouse scheint jetzt selbst daran zu liegen, daß Jammuruwe Land in Encounter Bay bekomme und daß er ( 185 ) mit mir gehe, denn er sagte, er sei bange, daß ehe der Gouverneur wieder käme, alles gute Land daselbst weggewählt sei: Sobald der Gouverneur zurück sei, wolle er in dieser Sache mit ihm reden.

Den 7ten Dezember 1839. Sonnabend.
Von Dienstag an habe ich die ganze Woche an der Aufsetzung eines Zaunes um Teichelmanns Haus und Garten gearbeitet, aus der Absicht, um die Eingeborenen dabei zu beschäftigen, weils mir beinahe eine Sünde schien, dieselben uns vor der Nase faulenzen zu sehen, ohne alles versucht zu haben, sie zum Arbeiten zu bringen. Meine Absicht gelang mir, denn mehrere haben die ganze Woche tüchtig gearbeitet. --

Es scheint, als wenn die Eingeborenen einsehen, daß wir ihr Bestes suchen, und daß ihre alle Tage deutlicher werdende Anhänglichkeit an uns eben so sehr eine Folge hievon, als von unserer Kenntniß ihrer Sprache sei.

Gebe Gott, daß sie bald ganz können lernen, was unsere Absicht unter ihnen ist, und daß sie dann dieselbe an sich erreichen lassen.

Seite zurück
zur Gesamtübersicht "Clamor Wilhelm Schürmann"
Seite vor