Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
Herr Fiedler kam zu mir, um mit ihm zu C. Calton zu gehen, welcher gegen früheres Übereinkommen sein Geld oder das Pferd verlangt habe. Da Calton nicht zu Hause war, gingen wir zu Rowland, der Fiedler bestellt hatte.

( 243 ) Er war übler Laune und nicht geneigt, Herrn Fiedler noch Geld vorzuschießen, da er ihm schon sowohl für sich als die Gemeine schuldig sei. Beim Kauf des Pferdes habe man ihm nichts gesagt, nun aber solle er uns helfen; auch habe C. Calton ihm gesagt, daß Pastor Kavel ihn leidenschaftlich und entsetzlich geschimpft habe; auch klage Calton, daß ihm nie von Fiedler volles Gewicht Heu geliefert worden sei. War mir solche Mittheilung schon äußerst unangenehm, so war es doppelt, die von Calton, den wir nun besuchten und antrafen, wenn er mir auf meine Anfrage, ob er einen Augenblick Zeit hätte, mit Herrn Fiedler zu reden, antwortete, Zeit hätte er zwar, allein nachdem was vorgefallen [war], sei er nicht geneigt, viel mehr zu reden. Er klagte, daß Pastor Kavel ganz in Wuth gerathen sei und ihn auf eine dem christlichen Prediger ganz unziemliche Weise behandelt habe. Bei dem von Fiedler gelieferten Heu leide er wenigstens 10 £ Schaden, das letzte Heu sei schlecht gewesen uns so weiter.

Zuletzt kamen wir darin überein, daß Calton und Fiedler den Schaden theilen, ersterer dem letzteren eine Quittung auf die bisher abgezahlte Summe und für das Übrige noch 6 Monate Frist geben wolle. Dies alles solle am nächsten Dienstag geschehen, an welchem er uns zum Mittagbrot einlud. Herr Fiedler brachte mir die Klemziger Kirchenordnung ohne irgend etwas besonders dabei zu erwähnen.

( 244 ) Den 16ten Februar. Sonntag.
Beim Morgengottesdienst las ich auf Teichelmanns Antrag und Begehren die Klemziger Kirchenordnung [vor]; es wollte aber noch Niemand sein Urtheil darüber abgeben. Vor dem Gottesdienst kamen mehrere Eingeborene zu uns, um, wie sie versprachen, Jehovas Wort zu hören. Ich erzählte ihnen kurzerhand des Menschen Schöpfung und Fall und schloß mit den 10 Geboten. Abends hörten Teichelmann, Kook und ich Missionar Willliams' Leichenpredigt, von Stow gehalten.

Den 18ten Februar.
Mit Herrn Fiedler heute bei Herrn C. Calton [gewesen], und später nach Klemzig [gegangen]. Unterwegs fragte er mich, ob ich die Klemziger Kirchenordnung durchgelesen und was ich davon halte? Als ich ihm antwortete, daß ich, obgleich mit dem Ganzen übereinstimmend, doch einige Puncte nicht billigen könnte, schien er verletzt und sagte, daß also die Einigung immer noch nicht da sei. Ich bat ihn später, und zu verloben, was er aber für unnöthig fand, indem, wenn es gleich Kirchengesetz sei, drei Tage vor der Hochzeit noch zeitig genug sei; und wenn ich beabsichtige, mich dadurch vor Vorfällen, wie nämlich einer sich zutrug, sicher zu stellen, so würde ers gar nicht zulassen.

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