Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
Bertha mied mich auf eine sehr auffallende Weise, denn nach dem Abendbrot unterhielt sie sich statt mit mir mit Mädchen aus dem Dorfe. Ich sagte ihr, daß mir so bange um sie sei, immer daran denkend, daß sie, wie Fiedler mir sagte, gesagt [hatte], sie habe nicht gefunden, was sie in mir gesucht [hätte]. Doch ließ sie ( 245 ) sich noch nichts [an]merken, sondern gab mir noch beim Abschied einen Kuß.

Den 20ten Februar.
ging ich mit Herrn Kook nach Hahndorf, theils um mir einen Knaben zu miethen, teils [um] mit Pastor Kavel von meinem Brautverhältniß zu sprechen. Er war noch nicht in Hahndorf, als wir ankamen, sondern traf erst während der Abendstunde ein. Wir sprachen noch denselben Abend über die Kirchenordnung, und obschon er die von mir bestrittenen Puncte vertheidigte, zum Beispiel die Übergebung eines Sünders an den Satan, pp, so kamen wir doch dahin überein, daß er das Ganze noch einmal durchnehmen und dann mit uns, Teichelmann und mir, durchgehen wolle. Über mein Brautverhältniß sagte er, daß ich es ihm nicht verargen könnte, wenn er von dem Willen Gottes nicht so fest wie ich überzeugt sei, noch auch davon, daß die neuliche Störung unsrer Liebe vom Satan herrühre; doch könnte ich mich darauf verlassen, daß er auf meiner Seite sein werde, auch habe er wenigstens keinen directen Einfluß bei dem neulichen Vorfall geübt, so habe er es auch nie mehr für Gottes Willen gehalten, wie gerade jetzt; wie ich anhielt, auf seiner Seite zu thun, was er könnte, versprach er, an Fiedler und seine Tochter eine Mittheilung in Betreff meiner zu machen.

Den 21ten Februar1840.
blieb ich noch in Hahndorf, miethete mir den Knaben ( 246 ) Gottfried Pfeifer(200), mit 25 sh. monatlichem Lohn, und wohnte Abends der Betstunde bei, wo Briefe von Deutschland vorgelesen und für die Kirche daselbst gebetet wurde. Die Fürstin Reuß(201) schrieb, daß Wermelskirch(202) ihr nicht gefallen [habe], daß er auch in Sachsen nicht predigen dürfe, und obschon ich dem widersprochen [hatte], so that Pastor Kavel in seinem Gebet doch, als ob die Fürstin recht habe, überhaupt schien es mir, als wenn eine uns separatistisch streifende Ansicht über die lutherische Kirche außerhalb Preußens sowohl bei Pastor Kavel als [auch bei] seiner Gemeinde vorwalte [bestehe].

Den 22ten Februar 1840.
Nachdem ich einen Tag und zwei Nächte aufs christlichste und brüderlichste mit Pastor Kavel erlebt [hatte], machte ich mich auf den Rückweg. Während desselben faßte ich den Entschluß, meine Bertha zu besuchen um den etwas unangenehmen Eindruck von meinem letzten Besuch zu verschmerzen und mich von dem beschwerlichen 4 1/2 [Stunden] zurückgelegten Wege zu erholen. Aber schrecklich ward ich getäuscht oder enttäuscht! --

Bertha sagte mir, sie stehe wieder auf dem alten Standpuncte, der Wille Gottes sei ihr durchaus nicht klar, sie habe keinen Funken von Hoffnung für unsere Verbindung, sie könne sich nicht von der Gemeine trennen und so weiter; alles in

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