Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
Haupt hielt ich ihr das Licht, aber sie würdigte mich keines Blickes, vielweniger eines Wortes, ausgenommen nach der Trauung, als Frau Pastor Kavel mich aufforderte, ihr dann Kuchen anzubieten und mir Vorwürfe machte, daß ich sie so vernachlässigte. Sie aß ein Stück Kuchen mit mir und sprach auch einiges, namentlich sagte sie mir, daß sie allerdings noch nicht ganz ruhig sei, es aber bald zu werden hoffe. Dann aber verließ sie mich, vorgebend, sie sei so sehr zerstreut wegen der Verlobung ihres Vaters, die gerade in dem Augenblick vor sich ging, für den sie, wie sie sagte, so sehr fühle. Ich hatte gestern zu Herrn Fiedler gesagt, ich wünschte, daß Bertha doch wenigstes in Frieden von mir scheiden möchte, wenn denn einmal das alte Verhältniß nicht fortdauern könnte. Fiedler sagte schnell darauf, er wolle ihr das mal vorstellen; wie ich ihn nun heute nach Bertha fragte, so sagte er, sie hätte geäußert, sie wolle ja sehr gern in Frieden von mir scheiden und als Freundin mich nicht meiden, wenn ich nur von der Angelegenheit schweigen wollte.

Alles war heute Abend voll Freude, und mich verfolgte ein namenloses Gefühl von Schmerz und Verlassenheit bis aufs Lager; Bertha stand in der Thür der Pfarrwohnung, als ich ihr gute Nacht sagte.

( 274 ) Den 29ten April 1840.
Ich schlief in dem Bette des Schullehrers bei Herrn Till. und obwohl es schon 2 Uhr Nachts war, als ich zu Bette kam, so war ich doch um 7 Uhr Morgens schon bei Fiedlers. Bertha that sehr fremd gegen mich, bis zum Frühstück, wo ich ihr den Tisch von der Wand abrücken half und sie etwas freundlicher war. Nach dem Frühstück zeigte ich ihr eine Betrachtung aus Hillers(215) Schatzkästlein, die sie gleich las, aber wenig drüber sagte, ausgenommen, daß sie meinte, der darin enthaltene Trost werde auch uns zu statt kommen. Beim Weggehen erinnerte ich sie an die Vorfälle des gestrigen Tages, von denen sie sagte, daß sie einen tiefen Eindruck auf sie gemacht hätten, und [ich] bat sie, zuzusehen, was der allmächtige Gott auch an uns thun könne. Sie erwiederte, sie wolle an mich schreiben, mündlich könne sie sich nicht gegen mich aussprechen.

Den 1ten Mai 1840.
Herr Meyer brachte uns heute einen Brief von der Gesellschaft mit der wichtigen Neuigkeit, daß zwei Brüder, nämlich Klose und Meyer, letzterer verheirathet, unter Weges hieher seien. Ich schrieb dies an Bertha, um, wenn sie etwa sich vor der Einsamkeit in Encounter Bay scheue, ihr dies eine Ermunterung sein möge. Diesen Brief hat sie mir nicht zurück geschickt. Meine Hoffnung war in diesen Tagen freilich nur schwach, aber doch noch lebendig, mein Schmerz aber sehr groß.

( 275 ) Den 2ten Mai 1840.
kam Herr Kook zu mir, ging den nächsten Sonntag Morgen nach Klemzig und kehrte erst am Dienstag Abend zurück.

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