morgen nicht statt finden wird, weil er aus Gewissensunruhe über die Auf-
( 271 ) nahme der Miß Pennyfeather am letzten Sonntag Abend, die nicht nach seiner beabsichteten Strenge und Vollständigkeit statt gefunden hatte, noch acht Tage Aufschub von ihr verlangt und sie darauf erklärte, sie sehe ein, es sei nicht Gottes Wille, daß sie einander heirathen sollten.
Br. Teichelmann und ich gingen noch denselbigen Abend nach Klemzig und fanden Pastor Kavel in der traurigsten
Lage und Miß Pennyfeather, die erst nach unserer Ankunft aus der Stadt zurückkam, fast trostlos. Wir sprachen manches über die Angelegenheit, wobei ich Pastor Kavel namentlich davon zu überzeugen suchte, daß er selbst freilich am besten und allein wissen müsse, mit welchem Gewissen er Miß Pennyfeather zuerst die Ehe versprochen, daß es aber jetzt seine Pflicht sei, sein Versprechen zu halten, wes Glaubens sie auch sein möge. Wir beteten zuletzt mit einander und verließen Miß Pennyfeather sehr traurig.
Pastor Kavel ging mit uns zu Fiedlers, um Bertha zu ersuchen, die Nacht bei seiner Braut zuzubringen. Sie war schon in ihrem Schlafzimmer, da sie nun noch etwas aus dem ersten großen Zimmer zu holen hatte, so ging sie herum, um mich, der ich mit andren in dem mittlern Zimmer war, zu vermeiden. So sah ich sie und sie mich, ohne uns
( 272 ) auch nur einen guten Abend zu wünschen. O welch ein Schmerz, wie gar anders war sie vor einigen Wochen.
Den 28ten April 1840.
Gegen 5 oder 6 Uhr Abends, als Br. Teichelmann gerade zu Prediger Stow gehen will, begenete ihm meine Braut auf dem Parklande. Bertha hatte Br. Teichelmann versprochen, nochmals in ihrem Herzen nachzuforschen, was der Grund ihrer Stimmung gegen mich sein möge und Gott zu bitten, ihr zu zeigen, was sie thun solle. Sie war schon um 12 Uhr bei ihm gewesen, hatte ihn aber nicht zu Hause [an]getroffen, indem er bei mir arbeitete, und zu mir hatte sie nicht kommen mögen, ungeachtet des dringenden Geschäftes, das sie an Br. Teichelmann hatte, nämlich einen Brief an ihn von Pastor Kavel, der uns einlud, noch heute Abend der Hochzeit beizuwohnen. Br. Teichelmann hatte viel mit meiner Braut gesprochen, sie aber war sich gleich geblieben und hatte gemeint, der Herr hätte ihr größere Sünden zu vergeben, als die sei, daß sie mir ihr Jawort gegeben und zurück genommen habe. Teichelmann wunderte sich über die Gleichmuth, die Bertha an den Tag gelegt [hatte], und meinte, sie stände auf einem guten Standpunct, nämlich dem der Frömmigkeit und Gottesfurcht. --
Abends gingen wir erst zu Herrn Fiedler, ehe wir zum Pastor gingen und nebst andren gab ich auch Bertha die Hand. Pastor Kavel und seine Braut waren dahin überein gekommen, daß, wenn Br. Teichelmann sie heute noch trauen könne, so wollten sie ihre Verbindung als Gottes
( 273 ) Willen gemäß ansehen, wo nicht, so wolle sie nach London zurück gehen. Die Trauung geschah zwischen 11 und 12 Uhr Abends vor der ganzen versammelten Gemeine. Bertha war Brautjungfer und als solche schön geschmückt; beim Auflegen des Kranzes auf Miß Pennyfeathers