Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
Briefen und dergleichen, die wir von Adelaide [mit]gebracht hatten, sobald er aber mein Empfe[h]lungsschreiben gelesen [hatte], ließ er sich in eine sehr freundliche und vertrauliche Unterhaltung mit mir ein, deren Hauptinhalt aus Fragen nach den Einzelheiten meines Vorhabens und folgenden Nachrichten bestand: daß keine Eingeborenen gegenwärtig in der unmittelbaren Nähe der Niederlassung seien, daß sie während der Winterzeit, wie jetzt, in kleinen Gruppen oder einzelnen Familien umher zu wandern, aber im Sommer in großen Haufen sich zu vereinigen pflegen, daß sie im Ganzen in hiesiger Gegend zahlreich seien, namentlich auf der westlichen Küste dieser Halbinsel, ja Herr Dutton ( 013 ) behauptete, daß Hunderte von ihnen in der Coffin Bay(027) (028) sich aufhielten, wo ihnen aber nicht sonderlich zu trauen sei, sonst meinten beide Herren, daß man sich ohne Gefahr ihnen nähern könne. Die nächsten gegenwärtig seien auf der Südseite von dem eigentlichen Port Lincoln, wo wir auch am Abend des 15ten ein Feuer sahen, das für ein Feuer der Eingeborenen von uns gehalten wurde. Dr. Harvey meinte übrigens, daß ich jetzt nicht viel mit ihnen werde thun können, meinte aber, er wünsche, daß ich hier bliebe, und rieth mir daher, irgend etwas andres neben[bei] zu ergreifen zu meiner Unterhaltung, namentlich schlug er mir auch die Leitung der hiesigen Sonntagsschule vor. Er glaubte, ich sei zu früh für meinen Zweck gekommen, weil die Niederlassung zu klein sei, sowohl um die Eingeborenen anzulocken, als auch ihre Nähe den Ansiedlern wünschenswerth zu machen. Jeder suche ihrer eben so bald als möglich los zu werden, und wenn ich dazu beitrüge, sie kommen zu machen, so würde die ganze Niederlassung gegen mich reizen. Dutton sowohl als Harvey erboten sich, mir behülflich zu sein, mich z. B. nach Coffin Bay und so weiter zu begleiten, falls ich es wünschte, einen Begleiter zu haben. Ich sagte Dr. Harvey, daß alle meine Lebensmittel ausgeblieben seien und fragte ihn, ob der Brief ( 014 ) etwas von Rationen für mich sage, die mir der Gouverneur mündlich versprochen. Er sagte Nein, meinte indeß, er könne mir auf des Gouverneurs Zusage hin aushelfen. Er zeigte mir übrigens Halls Brief, der, wenn gleich kurz, in sehr schmeichelhaften Ausdrücken für mich geschrieben war. Harvey bot mir ein leer stehendes, ihm gehörendes Haus zu meiner vorläufigen Wohnung an und versprach, mir morgen den Schlüssel dazu und einen Mann mit einem Ziehkarren zu geben, der meine Sachen vom Ufer nach dem Hause schaffen solle.

Welche unerwartete Freundlichkeit weiß der gnädige [Gott] uns durch seine Knechte zu erweisen.

Ich aß bei Dr. Harvey zu Mittag und verbrachte den größten Theil des Nachmittags bei ihm. Seine Frau, die leider schwindsüchtig ist, scheint mit einem einnehmenden und schönen Äußern viel Bildung [und] einen ächten weiblichen Charakter zu verbinden. Abends ging ich wieder mit [einem von] Harveys Bo[o]ten an Bord.

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