Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
Den 17ten September 1840.
Heute Morgen, nachdem ich mein Bett und Reisekoffer in Ordnung gebracht [hatte], ging [ich] noch vor dem Frühstück mit Herrn Kilburn zu Dr. Harvey, um den Schlüssel zu meinem Hause zu holen. Er war mit dem Capitain der "La Reunion" auf die Jagd gegangen, allein seine Frau gab mir den Schlüssel und sagte auf meine Frage, ob das Haus ganz ungebraucht sei, "O Ja". Dies war mir lieb, weil Kilburn mir gesagt [hatte], es sei nicht allein die Kirche daselbst, sondern auch das Klubhaus.

( 015 ) Nach dem Frühstück wurde ein Theil meiner Sachen in einem Bo[o]te ans Ufer gefahren, von [wo] Gottfried und ich alles bis auf die Kleiderkiste und den Sack Reis auf unserm Rücken in unser Haus trugen, die beiden letzten holte einer von Harvey's Leuten auf einem Ziehkarren. Wir fingen nun alsbald an, auszupacken, das noch Nasse zu trocknen, zu ordnen und so weiter und legten uns nicht wenig ermüdet schlafen.

Den 18ten September 1840.
Ich schrieb einen Brief an Herrn Moorhouse und einen andren an die Brüder und Gottfried einen an seinen Vater. Nach Mittag brachte ich diese Brief[e] zu Dr. Harvey, wo ich zu dem jüngern Herrn White(029) eingeführt wurde und zu Mittag speiste. Ich fragte Harvey, wie ich zu Werke zu gehen habe, um einen kleinen Garten anzulegen, worauf er mir rieth, den halben, der neben unserm Hause liegt, zu bearbeiten. Er versprach mir, Mehl vorzuschießen und den Fleischer anzuweisen, mir Fleisch auf Rechnung zu liefern und rieth mir, auch [an] Newman(030), meinen Kaufmann, zu schreiben. Wir gingen dann aus zusammen, begleitet von dem Capitain der "Martha", zu seinem Garten bei mir; unterwegs versprachen sie mir, mich am nächsten Mit[t]woch mit in des Capitains Boot nach Norden zu nehmen, um mir vielleicht Eingeborene zu zeigen.

( 016 ) Den 19ten September 1840. Sonnabend.
Gottfried fing an, etwas Land bei unserm Hause umzugraben, worauf wir gegen Abend ein Beet Radieschen und ein dergleich[es] [für] Rüben anlegten. Ich brachte meinen Brief an Newman zu Harvey und ließ Gottfried 30 Pfund Mehl von ihm holen. Darauf ging ich zu Neander(031), freute mich über sein nettes Gärtchen und blieb längere Zeit da, wurde auch ersucht am folgenden Tage wieder zu kommen und künftig ihr Kind zu taufen. Auf dem Rückwege traf ich wieder Harvey, der mir sagte, daß er den halben Acker neben seinem Hause für 50 £ gekauft habe, ihn alsbald einzäunen lassen werde und daß ich die Hälfte zu einem Garten bekommen könne, was ich gern annahm.

Den 20ten September 1840. Sonntag.
Vormittags um 11 Uhr besuchte ich mit Gottfried den englischen Gottesdienst im neuen Polizeihause; Dr. Harvey las die Gebete und Herr Winter(032) machte den Küster und las eine Predigt von Burder(033) über das Vater Unser. Nachmittags

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