Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
Grund. Während der Franzose mittelst des Bootes den Anker wegtrug, um das Schiff damit wieder flott zu machen, zerbrach er das eine Ruder, und mußte, da wir gleich darauf flott wurden, einige Runden in dem kleinen Boote unter großen Gefahren umherschwimmen, bis wir ihn wieder einnehmen konnten.

Den 7ten December 1840.
Wir kamen mit guter Zeit nach Franklinhafen, ( 049 ) wo wir mehrere Fische fingen und einige Möwen schossen, und also unserm Eingeborenen Fleisch die Menge bieten konnten. Außerdem fanden wir mehrere Eier, die er begierig aß, obschon sie längst faul waren.

Den 8ten December 1840.
Kaum waren wir aus dem Hafen, als wir wieder auf den Grund fuhren, aber glücklich genug waren, bald wieder flott zu werden. Wir fingen einen großen dicken Haifisch, den ersten, den ich fangen sah; die Thiere haben unglaubliche Stärke und zähes Leben. Der Eingeborene wollte sein Fleisch nicht essen. Wir mußten diese Nacht wieder in der offenen See ankern.

Den 9ten December 1840.
Wir hatten sehr guten Wind, bekamen bald die Westküste von Yorkes Halbinsel zu Gesichte und warfen eine Stunde nach Sonnenuntergang in einer kleinen Bay nördlich von der Spitze Lowley(087) Anker. Wir dankten Gott für diesen angetroffenen Zufluchtsort, denn die See ging außerordentlich hoch und dabei wurde es sehr finster.

Den 10ten December 1840.
Diesen Tag hatten wir eine sehr angenehme Fahrt, in dem schlängelnden ruhigen Flusse, zu dem sich der Golf von der Spitze Lowley an vermindert, zu beiden Seiten mit schönen grünen Mangrovebüschen und im Hintergrunde mit prächtigen Bergketten begränzt. Mount Brown(088) und die Kette, ( 050 ) von der er ein Theil ist, gewährt ein in Südaustralien einzige Ansicht. Wir fuhren so weit es Dr. Harvey für gerathen hielt, und warfen am hohen Nachmittage in einer schönen Gegend Anker. Ich ging ans Land, konnte aber wegen der morastigen Beschaffenheit des Ufers und der zurückkehrenden Fluth nicht landeinwärts gehen.

Den 11ten December 1840.
Dieser Tag wird mir denkwürdig bleiben, so lange ich lebe. Nie erinnere ich mich, so viel vom Durst gelitten zu haben, als an diesem heißen und beschwerlichen Tage. Nachdem wir unser Schiff ungefähr eine Meile höher hinauf unter einen kleinen Hügel gebracht [hatten], füllte sich jeder eine Flasche mit Wasser und machte sich reisefertig zu einer Wanderung um die äußerste Spitze des Golfes. Es mochte etwa 9 Uhr Morgens sein, als wir aufbrachen, aber schon zu dieser frühen Stunde des Tages war es unerträglich heiß. Der berüchtigte Nordwind wehete mit seiner ganzen versengenden und dörrenden Schärfe und der von niedrigem Gestrüpp dünn bewachsene Boden glühte wie ein geheizter Ofen. Kaum waren wir

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