Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845

Reise nach Coffin Bay

Den 9ten Juli 1841.
Mit Harvey, Barnet und McEllister, begleitet von Kunamunko und Ngulga nach Coffin Bay, wo sich nach des Kunamunko Aussage zwei Wallfisch Schiffe aufhalten. Wir übernachteten in Yurendo auf der nördlichen Seite der Bai. Am folgenden Morgen erwarteten wir, die Schiffe zu Gesicht zu [bekommen], dafür wir früh [die Pferde] sattelten. Nachdem wir einige ( 086 ) Meilen geritten waren, stießen wir auf drei Eingeborene, die uns nach dem Orte begleiteten, wo die Schiffe sein sollten. Aber wie fanden wir uns getäuscht, als wir die selben an der entgegen gesetzten Seite der Bai sahen, wenigstens 40 Meilen von uns entfernt. Wir kehrten sogleich um, unentschlossen, ob wir nach Hause zurückkehren oder um die weitläufige Bai herum reiten sollten; zuletzt entschlossen wir uns für das letzte. Murgalta, einer der oben erwähnten drei Eingeborenen, und Ngulga, begleiteten uns, während Kunamunko bei den beiden übrigen zurück blieb. Murgalta sagte uns, daß sein Freund Nemmalta auf der Südseite der Bai sich aufhalten [würde] und daß wir bei ihm übernachten könnten. Allein als wir ungefähr zehn Meilen auf der Südseite zurückgelegt hatten, stießen wir auf einen mehrere Meilen landeinwärts laufenden Krik [Creek], auf deren [dessen] entgegen gesetzter Seite die Freunde unserer Begleitung sich aufhielten. Jetzt schien es mehreren, namentlich McEllister, rathsam, umzukehren, weil das Ziel unserer Reise noch sehr fern schien und unser Vorrath an Lebensmitteln beinahe ganz erschöpft war. Wir übernachteten also in der Nähe bei einem Brunnen der Eingeborenen, genannt Ngaralatta. Hier erwogen wir, daß wenigstens die Schiffe uns jetzt näher seien, als Port Lincoln, und beschlossen also, nächsten Morgen wieder vorwärts zu ziehen.

( 087 ) Nach ein oder zwei Stunden trafen wir Murgalta's Freunde, die aber weit zahlreicher waren, als ich vermuthet hatte. Als wir fast an ihrem Lagerplatze angekommen waren, versuchte er mich still zu halten und ihn voran gehen zu lassen, allein er bezeigte sich im Ganzen sehr ungefällig und gebieterisch, so daß ich ihm nicht traute und ihm dicht auf dem Fuße folgte. Als nun die Urbewohner uns plötzlich erscheinen sahen, schienen sie in nicht geringer Bestürzung zu gerathen, wenigstens hörten wir sie einander zurufen und sahen sie schnell durcheinander laufen. Wir hielten mit unserm Begleiter einige Augenblicke an, um nicht die Weiber und Kinder zu erschrecken, welche sie in dieser kurzen Zeit zu verstecken schienen, dann kamen ihrer zwischen zehn und zwanzig erwachsene starke Männer um uns herum, unter andren auch Numalta, der sich nach meinem frühern Dienstknaben Kappler nannte. Sie waren zum Theil sehr zudringlich und wollten uns durchaus nicht weiter reiten lassen, sondern hießen uns zurück gehen. Zuletzt sagte [ich], wir wollten gehen, ob sie uns auch nicht begleiteten, welches namentlich unsern Begleiter vom vorigen Tage zu erbosen schien, wenigstens sagten mir die andren Reisenden, daß er eine Flasche in meinem Rücken geschwungen habe, als ob er mich damit schlagen wollte. Zuletzt vermochte ich

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