Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838

wunderten uns über diese englische Insolenz [Anmaßung], die so wenig die Gesetze fremder Häfen achten, recht sahen wir am folgenden Tage, daß dieselbe vor andern englischen Schiffen, vermuthlich von einem Kriegsschiffe noch viel weiter getrieben wurde, indem sie viertel, halbe Stunden lang und länger die Festungsbeamten schreien ließen: "Let go your anchor", bevor sie es thaten. Zum Beweise, daß ihr solcher Befehl ein Ernst sei, feuerte die Festung ein Mal eine Kanonenkugel ab, deren Schwirren wir deutlich vernehmen konnten.

Den 4ten August 1838.
Am heutigen Morgen sahen wir uns erst nach Rio um, das wir gestern Abend nicht sehen konnten, und fanden, daß es an der Südwestseite des Hafens liegt.

Gegen über liegt eine kleine Stadt Rio Grande(041), die ihre Verbindung mit Rio durch ein alle Stunde abfahrendes Dampfboot erhält. Gegen 9 Uhr kam ein amtliches Boot zu [uns], das sich nach unserm Zweck und Gesundheitszustand erkundigte und dem Capitain die Hafengesetze in portugies., französ. und engl. Sprache überbrachte. Erst darauf war es erlaubt, ans Land zu gehen. Ein Boot, von unserm Schiff, das von diesem ans Land wollte, mußte wieder umkehren. Da viel Reisende vom Schiff ans Land gingen,

( 032 ) da es ferner am folgenden Tag Sonntag war, und wir zudem nicht wußten, wie lange das Schiff hier liegen bleiben wird, so wären auch wir gern nach Rio gegangen, allein wegen Mangel an Booten eines Theils, und der Ungeschliffenheit unserer Mitreisenden anderen Theils, mußten wir diesen herrlichen Tag über an Bord bleiben.

Den 5ten August 1838. Sonntag.
Wiewohl es Sonntag war, und die Witterung nicht eben günstig, ging ich doch mit einigen Engländern ans Land, weil ich nicht wußte, ob mir die Gelegenheit dazu mehr als ein Mal angeboten werden würde. Br. Teichelmann mußte des Gottesdienst halber zurück bleiben.

Ich hatte aber alle Ursache, diesen Tag zu bereuen, einmal wegen des schlechten Wetters, und dann wegen der Gesellschaft, die gerade nicht die gewünschteste war, und an die ich den ganzen Tag über gekettet war, weil ich mit ihnen wieder an Bord gehen, oder mir eine kostspielige Überfahrt gefallen lassen mußte.

In dem französischen Gasthofe, wo wir ein theures Mittagbrot verzehrten, traf ich mit einem deutschen Schneider zusammen, der mir unter anderm die erfreuliche Nachricht mittheilte, daß ein deutscher Pastor in dem Orte sei. Durch diese Nachricht mit dem fast verlorenen Tage einigermaßen wieder ausgesöhnt, ging ich gegen acht Uhr mit meiner Gesellschaft wieder an Bord; während der Überfahrt wären wir aus Schuld der ungeschickten Neger beinahe von einem Dampfschiffe übergefahren [worden].

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